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Im Clip: Zeynep Avci im Interview vor dem Viertelfinale

Was bedeutet die Strophe, die du für den Song "Durch die schweren Zeiten" für die Battles geschrieben hast? 

Zeynep Avci: "Ich habe mich von der eigentlichen Komposition, der eigentlichen Botschaft inspirieren lassen. Ich habe mich dazu verleiten lassen, mir vorzustellen, dass ich die Gegenseite bin, an die das Lied gerichtet wird. Und in diesem Sinne habe ich auf Türkisch geantwortet. Meine Antwort darauf war: 'Während die Stunden einfach so vergehen und meine Lieder in mein Herz fließen, bin ich trotz allen Hürden auf dieser Welt bereit, jeden Weg mit dir einzuschlagen, solange du an meiner Seite bist.'"  

Auf Instagram hast du unter das Bild mit Alisha und Simon geschrieben: "Mögen sich all unsere musikalischen Türen öffnen, die wir uns erhoffen." Welche Türen erhoffst du dir noch zu öffnen? 

"Als ich mich für 'The Voice' beworben habe, war der Ausgangspunkt, dass ich mit meiner Musik, meiner Sprache und meinen Emotionen die Menschen berühren wollte. Das habe ich, denke ich, sehr gut erreicht. In dem Sinne war das die beste Bestätigung für mich und auch das schönste Geschenk, das ich erhalten habe. 

Für die Zukunft erhoffe ich mir, dass ich der Menschheit oder allen, die mir gerne zuhören, zeige: Es ist nicht nur der Song 'Yalan' oder der Song von Udo Lindenberg. Wenn ich singe und das Lied fühle, stecke ich meine ganzen Emotionen rein. Dabei versuche ich auch, mit meinen Zuhörern auf einen musikalischen Nenner zu kommen.  

Das Wichtigste ist, dass die Menschen, die mir zuhören, verstehen, was ich singe. Nicht sprachlich, sondern gefühlstechnisch. Dass sie das fühlen, was ich ihnen auch vermitteln möchte. Deswegen ist mir das Feedback so wichtig. Auch von Menschen, die meine Sprache nicht verstehen und sagen: 'Wir haben es gespürt und wir hatten Gänsehaut.'"   

 

Wirst du mit Alisha und Simon auch nach "The Voice" in Kontakt stehen? 

"Wir haben uns wirklich von Tag eins an ins Herz geschlossen. Simon brachte noch eine andere Seite mit ein. Er hatte tolle Weisheiten für uns. Jeder hatte mal eine Situation, in der er sich nicht gut gefühlt hat. Jeder auf seine eigene Art und Weise, und er wusste immer eine Antwort. Wir waren wie eine kleine Familie in diesem Camp.  

Wir lagen abends im Hotelzimmer auf dem Bett, Simon hat für uns gesungen und wir haben gelacht. Es war eine großartige Zeit und eine tolle Freundschaft, die wir geschlossen haben. Ich bin jetzt weiter und bekomme immer noch Unterstützung von beiden. Sie schauen sich meine Shows an und wünschen mir Glück.  

Es ist auch noch ein Beweis, was Musik bewirken kann. Unter uns konnten wir uns sprachlich kaum verständigen, Alisha spricht kein Deutsch, sie spricht nur Englisch. Ich spreche zum Glück Englisch und Deutsch. Simon spricht nicht sehr gut Englisch, er spricht nur Deutsch. Es war ein Dreieck. Die Kommunikation war aber trotzdem perfekt. Musik hat uns auf einen Nenner gebracht. Wir haben eine eigene Sprache für uns gefunden. Der Wille war da. Wir wollen uns verstehen, wir haben uns verstanden und haben die Sprache komplett ausgeblendet." 

Sprichst du mit deinen Kindern über deinen Instagram-Erfolg? 

"Tatsächlich überhaupt nicht. Meine Kinder sind noch klein. Meine Tochter ist sechs Jahre alt, mein Sohn ist fünf Jahre alt. Sie schauen kaum Fernsehen und wissen auch nicht, was Instagram und Facebook ist. Das ist auch gut so. Das Einzige, was sie mitbekommen, ist, dass wir ab und an das Lied hören, wenn ich probe. Die Lieder, die ich singe, kennen sie in- und auswendig. Die Dimensionen kennen sie nicht und das soll auch weiterhin so sein.  

Dadurch, dass ich an einer Grundschule arbeite und meine Tochter an meiner Grundschule ist, spricht sich das natürlich herum, dass ich singe. Aber dadurch, dass ich auf einer musikbetonten Grundschule singe, ist das auch in Ordnung. Wenn wir beim nächsten Musikabend oder Weihnachtskonzert mit der ganzen Schule auf der Bühne sind, macht sie das viel stolzer, als wenn sie mich im Fernsehen sieht." 

Was hat dich an "The Voice" überrascht, womit hast du gar nicht gerechnet? 

"Ich hatte mich auf der Bühne spontan für Johannes entschieden. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, [dass es die richtige Entscheidung war]. Ich habe ihn schon immer so eingeschätzt, aber dass er wirklich so bescheiden ist, so menschlich, und uns so in sein Herz schließt … Von Tag eins an wusste er, wie wir heißen. Das war so wertschätzend. Das hat mich sehr überrascht." 

Was würdest du jemandem raten, der sich nächstes Jahr bei "The Voice" bewerben will? 

"Ich würde ihnen auf den Weg geben, dass sie sich nicht allein davon leiten lassen sollten, dass sie gut singen und der Überzeugung sind: 'Ich pack das!' Es ist weitaus mehr. Ich bin diesen Weg mit 1.300 Followern gestartet. Jetzt hab ich 135.000 Follower. Was heißt das für mich? Sehr viel Positives. Aber nicht nur das. Ich hab auch viele Kommentare gelesen, die sehr unter die Haut gegangen sind und mich manchmal auch verletzt haben. [Talente sollten] für solche Situationen gewappnet sein. Wissen, wie man mit dieser Situation umgeht, und dass es nicht allein reicht, dass man auf die Bühne geht und singt. Das ist der Fokus und die Priorität. Aber ich finde, dass man auch Persönlichkeit und viel Charakterstärke mitbringen muss, um für diesen Weg bereit zu sein." 

Wie gehst du mit verletzenden Kommentaren um? 

"Als würde ich mit meiner Tochter sprechen. [Ich frage mich:] Was machst du, wenn deine Tochter kommt und sagt, jemand habe sie in der Schule beleidigt? Was gibst du ihr für einen Rat? 

Ich stärke mich einfach selbst. Ich weiß, was ich zu bieten habe. Ich bin 38 Jahre alt und ich weiß, was meine Stärken und was meine Schwächen sind. Deswegen weiß ich ganz genau, wie ich damit umzugehen habe. Ich bin aber auch selbstkritisch und frage in meinem Freundeskreis nach, wie sie das sehen." 

 

Zeynep erzählt weiter, dass sie oft gefragt wird, was passiert, wenn sie eines Tages keine Follower:innen mehr hat und wieder dort startet, wo sie angefangen hat.

"Ich sage dann, ich habe ein wunderschönes Leben. Also, wenn ich dort wieder 'anfangen' sollte, ist es nicht so, dass ich dort unglücklich war. Deswegen sollte man für sich einschätzen: 'Mach ich Musik, um glücklich zu werden, oder nur, um meine Leidenschaft auszuleben?' Ich mache Musik, weil ich es fühle und weil ich es liebe, meine Emotionen in meine Stimme zu setzen. Alles andere ist für mich absolut irrelevant. Deswegen wäre das überhaupt nicht schlimm."  

Mit welchem Sänger oder welcher Sängerin würdest du gerne auf der Bühne stehen? 

"Ich würde sehr gerne mit Johannes Oerding eine Single aufnehmen. Vielleicht einen deutsch-türkischen Song, bei dem ich deutsch singe und er türkisch. Ansonsten gibt es noch viele Sänger:innen aus der Türkei, mit denen ich ganz viel machen wollen würde. Zum Beispiel meine Lieblingssängerin, Sezen Aksu. Nach ihr habe ich auch meine Tochter benannt."

Wenn du auf das Jahr 2021 zurückblickst, was waren deine High- und Lowlights? 

"2021 war absolut mein Jahr. Meine Tochter hat mit der Schule angefangen. Ich habe einen tollen Job bei einer musikbetonten Grundschule. Ich habe bei "The Voice of Germany" das erreicht, was ich wollte. Ich glaube, dass es eines dieser Jahre ist, die für mich geschaffen waren. Ich bin dankbar für dieses Jahr und für alles, was passiert ist."  

Feiert ihr Weihnachten? Wenn ja, wie feiert ihr? 

Tatsächlich feiern wir Weihnachten. Allerdings nicht aus religiösen Gründen. Wir haben jedes Jahr einen Weihnachtsbaum, wir beschenken uns. Meine Kinder bekommen immer etwas an Nikolaus. Am ersten Advent backen wir Plätzchen und es gibt auch den ganzen Dezember über Kekse und einen selbstgebastelten Kalender. Wir feiern auch Weihnachten nach deutscher Art. Mit der Familie kochen wir an Weihnachten deutsches Essen. Unser Glaube ist immer noch meine eigene Religion, aber wir feiern trotzdem Weihnachten auf unsere Art."  

Wie viel singt ihr an Weihnachten? 

"An Weihnachten singen nur meine Tochter und mein Sohn, weil sie die Weihnachtslieder aus der Kita und der Schule kennen. Aber als Familie singen wir nicht." 

Was wünscht du dir für 2022? 

"Dass ich den Weg weitergehen kann, wie ich ihn begonnen habe. Und dass mich viele auch nicht-türkischsprachige Menschen hören und sagen: 'Wow so kannten wir die türkische Musik nicht.' Und, dass ich eine der wenigen bin, die auf der Playlist von den Leuten ist, die noch nie in ihrem Leben Türkisch gehört haben."  

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